Wenn die Saat streikt!

Die Natur hat ihre eigenen kleinen Tricks und Schranken eingebaut, die es zu beachten gilt. Es gibt Samen, die Dunkel­heit zum Keimen brauchen, andere wollen es hell oder legen ohne eine Portion Frost nicht los. Sogar Feuer oder Wasser kann als Auslöser der Keimung gefordert sein. Das sind alles keine Schikanen, um es Gärt­ne­rin­nen und Gärtnern schwer zu machen, sondern reine Über­le­bens­stra­te­gien, die sich im Lauf der Evolution in den Pflan­zen­genen gefestigt haben. 

Dazu kommen noch die mensch­ge­mach­ten Fall­stri­cke. Die haben Pflan­zen­züch­ter den Pflanzen mit auf den weiteren Weg gegeben. Stichwort: samen­fes­tes Saatgut. Dahinter verbergen sich jene Pflanzen, die in der Lage sind, selbst frucht­bare Pflanzen zu bilden. Auch wächst aus der neuen Saat etwas nach, das ähnliche bis gleiche Eigen­schaf­ten hat und aussieht wie das Gewächs, von dem der Samen gewonnen wurde. Das Gegenteil sind Hybrid­sa­men. Diese sind aus der Kreuzung zweier Inzucht­li­nien hervorgegangen. 

Die Pflanzen sind genetisch verarmt, da ihnen durch lange Inzucht die gene­ti­sche Vielfalt wege­züch­tet wurde. Pflanzen haben ganz unter­schied­li­che Ausbrei­tungs­me­cha­nis­men. Ist die Pflanze dabei auf sich allein gestellt, spricht man von der auto­cho­ren Verbrei­tung. Hier werden die Samen bis zu mehrere Meter weit geschleu­dert. Die getrock­nete Frucht öffnet sich, und die Samen fallen zu Boden. 

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Wird der Samen über Tiere, Wind oder Wasser verbrei­tet, ist die Rede von der allo­ch­o­ren Verbrei­tung.
Beispiel: Der Wind nimmt die Löwen­zahn­saat genauso mit wie die ganze Linden­frucht. Die Samen vieler Pflan­zen­ar­ten sind nach der Reife und der Verbrei­tung nicht direkt bereit für neues Wachstum. Erst bestimmte Umwelt­reize lösen die Samenruhe (Dormanz) auf und ermög­li­chen die Keimung. Es gibt Samen, die nur bis zum nächsten Jahr die Keim­fä­hig­keit aufrecht erhalten, während andere mehrere Jahre in der Schublade ausharren können und dann problem­los loswach­sen sobald sie im Erdreich sind. Ich habe vor Jahren Kerne vom Apfel Gold­par­mäne gesammelt. Dieses Jahr habe ich Ein paar Kerne in Töpfe rein­ge­macht, in der Hoffnung, dass wenigs­tens ein oder zwei Pflänz­chen beginnen zu „wachsen“. Es hat funk­tio­niert. Mitt­ler­weile habe ich sechs klit­ze­kleine Apfel­bäum­chen. Außer Licht und Dunkel­heit zählt Wasser zu den Umwelt­rei­zen, ohne Wasser gibt es keine Keimung. Kälte oder gar Frost gehört bei vielen Pflanzen als Wachs­tums­reiz dazu.

Saatgut ernten:

Nur wenn am Gemüse, an der Blume, am Ziergras oder der Staude zuvor eine Blüte war, die von Insekten bestäubt wurden, bilden sich Samen. Das setzt voraus, dass es eine bienen- und insek­ten­freund­li­che Pflan­zen­welt vorhanden ist. Mein spezi­el­ler Ort der Bienen­gar­ten ist so eine entspre­chende Pflan­zen­welt. Ohne diese fleis­si­gen flie­gen­den Helfer­leins gibt es schließ­lich keine Samen!

(Anmerkung: Infor­ma­tio­nen habe ich u.a. aus einem guten BioBuch entnommen. Und von Garten-Freaks, die mir immer Tipps erzählen. Danke an diese nochmals)

Ein Tipp von mir: Sammeln Sie bei Spazier­gän­gen schöne Sträuße mit Blumen­frucht­stän­den; ernten sie die Samen; und im nächsten Früh-Frühling  n Blumen­töpfe rein….Und viel­leicht keimt was!

Einen schönen Oktober wünsch ich.
Es grüsst Euch die Rosemarie Heide Riegel